Sicherheit am Klettersteig
Richtig ausgerüstet sein, die Regeln kennen und wissen, wie man im Notfall reagiert - Sicherheit ist die Grundlage jeder Tour.
Obligatorische Ausrüstung
Am Klettersteig ist spezifische technische Ausrüstung erforderlich. Kein einziges Teil davon ist optional.
Klettergurt
Gurt zugelassen nach EN 12277 (Typ C). Muss korrekt angelegt und in einwandfreiem Zustand sein. Alle 10 Jahre oder nach einem grossen Sturz ersetzen.
Helm
Kletterhelm zugelassen nach EN 12492. Schützt vor Steinschlag und Aufprall beim Sturz.
Klettersteig-Bandschlinge
Y-förmige Bandschlinge mit zwei Energieabsorbern, zugelassen nach EN 958. Immer eingehängt bleiben - nie beide Karabiner gleichzeitig öffnen.
Handschuhe
Kletterhandschuhe schützen die Hände beim Gleiten am Seil und verbessern den Griff.
Geeignete Schuhe
Wanderschuhe mit steifer Sohle oder Kletterschuhe. Unerlässlich für guten Halt am Fels.
Wasser und Verpflegung
Mindestens 1,5 L Wasser pro Person je nach Dauer. Die Belastung am Klettersteig ist intensiv und Dehydration kann schnell eintreten.
Klettersteig-Bewertung - die Stufen verstehen
Klettersteige werden von K1 bis K6 nach technischer und körperlicher Schwierigkeit eingestuft (Hüsler-Skala). Dieses System ist in der Schweiz und ganz Europa weit verbreitet.
Meist markierte Wege mit grosszügigen Sicherungen. Natürliche Tritte, Leitern oder Stege wo nötig. Exponierte Passagen mit Seil oder Kette gesichert.
Stellenweise steiles Gelände, aber sehr gut gesichert. Fast-senkrechte Passagen mit Sprossen oder Leitern ausgerüstet. Seil oder Kette auch in wenig schwierigem Terrain.
Gut geneigter Fels mit steilen, manchmal exponierten Passagen. Reichliche Sicherungen. Keine Passagen, die viel Armkraft erfordern.
Steiles bis manchmal senkrechtes Gelände mit gesicherten Überhängen. Sehr exponierter Weg mit wenig natürlichen Griffen. Nur Stahlseil an exponierten Passagen - Armkraft nötig. Ausnahme: sportliche Klettersteige 'à la française'.
Extremes Felsgelände. Lange, anspruchsvolle und erschöpfende Wege auf ihrer gesamten Länge. Einige senkrechte Passagen nur mit Stahlseil gesichert. Vorbehalten für erfahrene Kletterer mit guter Kondition.
Lange und schwach ausgerüstete Passagen in senkrechtem Gelände. Ausdauer und Armkraft unbedingt erforderlich. Nur für unerschrockene Personen mit ausgezeichneter Kondition.
Die Bewertung beschreibt die technische Schwierigkeit, nicht die objektive Gefahr. Ein K2-Klettersteig kann bei schlechten Wetterbedingungen gefährlich werden.
Wander-Bewertung - die Stufen verstehen
Der Schweizer Alpen-Club (SAC) klassifiziert Wanderungen von T1 bis T6, vom markierten Wanderweg bis zum extremen Alpingelände ohne Weg.
Gut markierter Weg oder Pfad. Exponierte Stellen sehr gut gesichert. Keine spezifischen Anforderungen - Orientierung problemlos, meistens sogar ohne Karte möglich.
Pfad mit kontinuierlichem Verlauf. Terrain stellenweise steil. Sturzrisiko nicht ausgeschlossen. Gutes Gleichgewicht und grundlegende Orientierungsfähigkeit erforderlich.
Pfad nicht immer durchgehend sichtbar. Steiles Gelände, manchmal mit Seil oder Kette gesichert. Geröll, einfache Felspartien. Evtl. Hände zum Gleichgewicht nötig. Sicherer Tritt, mittlere Orientierung, elementare Alpinerfahrung.
Pfadspuren, manchmal ohne Weg. Abwechslungsreiches Gelände mit einfachen Kletterpassagen. Blockfelder, steile Grashänge. Sicherer Tritt, gute Orientierung, Alpinerfahrung und grundlegende Kenntnis des Alpinmaterials.
Meist ohne Weg. Sehr abwechslungsreiches Gelände mit fortgeschrittenen Kletterpassagen. Steile Schneefelder. Exponierung auf längeren Strecken. Sehr sicherer Tritt, sehr gute Orientierung, vertiefte Alpinerfahrung, gute technische Kenntnisse.
Meistens ohne Weg. Besonders steiles Gelände mit längeren und anspruchsvollen Kletterpassagen. Heikle Schneefelder. Sehr stark exponiert auf längeren Strecken. Perfekt sicherer Tritt, bestätigte Alpinerfahrung, sicherer Umgang mit Alpinmaterial.
Die Bewertung gilt bei günstigen Bedingungen (Schönwetter, trockenes Gelände, kein Schnee). Gradierungen + und - ermöglichen eine feinere Einschätzung (z.B. T3+, T4-).
Wichtige Regeln am Klettersteig
Diese Sicherheitsregeln müssen ausnahmslos befolgt werden.
Nie beide Karabiner vom Seil gleichzeitig entfernen - immer eingehängt bleiben.
Ausreichend Abstand zum Kletterer vor Ihnen halten, um nicht von Steinschlag getroffen zu werden.
Nie bei Gewitter oder wenn Gewitterwolken nahen klettern - Blitzgefahr an Metallseilen.
Die eingezeichnete Kletterrichtung einhalten - manche Wege sind aus Sicherheitsgründen Einbahnstrassen.
Keine Überfüllung an einem Seilabschnitt. Bei einem Sturz kann der Ruck andere Kletterer destabilisieren.
Nie allein klettern - immer begleitet sein oder jemandem Route und Rückkehrzeit mitteilen.
Zustand der Fixausrüstung (Seil, Haken, Tritte) prüfen, bevor sie benutzt wird. Probleme den zuständigen Behörden melden.
Kinder müssen einzeln eingehängt und ständig von einem erfahrenen Erwachsenen beaufsichtigt werden.
Wetter und gefährliche Bedingungen
Wetterbedingungen und Felszustand sind entscheidend für Ihre Sicherheit.
Gewitter / Blitz
Tödliche Gefahr. Metallseile sind ausgezeichnete Leiter. Sofort absteigen und vom Seil entfernen wenn ein Gewitter naht. Nicht warten bis es zu regnen beginnt.
Regen
Nasser Fels reduziert die Haftung drastisch. Griffe und Tritte werden rutschig. Stark abgeraten ausser auf Wegen, die für nasse Bedingungen ausgelegt sind.
Schnee und Eis
Macht das Vorankommen extrem gefährlich oder unmöglich. Seile und Griffe können mit unsichtbarem Eis bedeckt sein. Unbedingt vermeiden.
Starke Hitze
Risiko von Hitzschlag und Dehydration. Genügend Wasser mitnehmen. Im Sommer die heissesten Stunden (11-15 Uhr) vermeiden.
Steinschlag
Wind, andere Kletterer oder Tauwetter können Steinschlag verursachen. Immer Helm tragen und Sicherheitsabstand einhalten.
Vor dem Aufbruch - Checkliste
Einige Minuten für diese Punkte können Ihr Leben retten.
Lokales Wetter und Vorhersage für die nächsten 24h einholen.
Prüfen ob der Klettersteig geöffnet ist (Öffnungszeit und aktuelle Bedingungen).
Zustand der gesamten Ausrüstung kontrollieren: Gurt, Bandschlinge, Helm, Schuhe.
Sicherstellen, dass ausreichend Wasser und Verpflegung für die geplante Dauer vorhanden ist.
Einer nahestehenden Person Bescheid geben über Ziel, Route und geplante Rückkehrzeit.
Ehrlich das eigene Niveau im Vergleich zur Schwierigkeit der Route beurteilen.
Karte oder Datenblatt des Klettersteigs für den Offline-Gebrauch herunterladen.
Handy aufladen und Notrufnummern notieren.
Notrufnummern
Je nach Situation
Sturz mit schwerer Verletzung
- Person hängend am Seil
- Knochenbruch
- Schädeltrauma
- Bewusstlosigkeit
- Starke Blutung
Person blockiert / erschöpft / panisch
Auch ohne Verletzung kann die Bergrettung eingreifen, wenn jemand weder vorwärts noch absteigen kann.
Bei einem Notruf: Ihre genaue Position angeben (Name des Klettersteigs, Kanton, GPS-Koordinaten wenn möglich), Anzahl Verletzte, Art der Verletzungen und Ihre Telefonnummer.